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Nachruf zum Tode von Hans-Jürgen Müller
„Was wir als Schönheit hier empfunden, wird bald
als Wahrheit uns entgegengehn.“
Friedrich von Schiller
Ein väterlicher Freund, ein großer Mann, ist von uns gegangen. Ich durfte vor einigen Wochen bereits von Ihm Abschied nehmen, oder sollte ich besser formulieren, wir verabschiedeten uns voneinander, als er mir, obschon geschwächt, seinen Gedichtband von Ulm nach Sylt vollständig in einer Länge von 40 Minuten mit sichtlicher Freude in Stuttgart vorlas. Ein für mich sehr emotionaler Moment.
Hans-Jürgen Müller, der am 8. April 1936 in Ilmenau geboren wurde und 27. Mai 2009 in Stuttgart verstarb, war ein Lebenskünstler, einer der wusste wie man aus Wasser Wein macht, wenn einem die finanziellen Mittel fehlen. Als einer der bedeutenden Galeristen der 60er Jahre (unter anderem Mitbegründer des „1. Kölner Kunstmarkts) faszinierte der Selfmade-Idealist sein Publikum bis er eines Tages über den Zustand der Welt ins Grübeln kam. Deshalb gründete er 1984 das Zukunftsprojekt „Atlantis“, aus dem ab 1993 die Zukunftswerkstatt Mariposa entstand, mit dem Ziel einen kreativen Gegenpol zur schnöden Welt des Mammons zu setzen.
Sein Kunstpark sollte der Welt zeigen, dass Innovation aus Schönheit und Einfachheit entsteht und nicht aus Hässlichkeit und Komplexität. Die heutige Weltwirtschaftskrise gab ihm in finaler Weise recht, dass man Geld, wertloses Papier, nicht essen kann. Von der Architektur der letzten Jahrzehnte sagte er, dass er bei vielen Gebäuden Augenkrebs bekommen würde, wenn er sie zu lange ansieht. Schönheit = Wahrheit lautete die einfache Gleichung im Leben des der Ästhetik verpflichteten Hans-Jürgen Müller, wobei er sich bewusst war, das aktuelle Wahrheiten immer nur relative Gewissheiten sind. Hans-Jürgen Du wirst uns allen sehr fehlen.
Gedicht von Hans-Jürgen Müller:
Der Manager (2005)
Der Manager ist zu beneiden,
Lebt in der Regel unbescheiden.
Verdient im Übermasse Geld
Und wird bewundert von der Welt.
Ist, wenn sich´s fügt, zu jeder Stund
Im Fernseh´n oft (in kleiner Rund´).
Erklärt dort in selbstbewusster Haltung
Die Gründe seiner inneren Spaltung.
Denn seinerseits geht´s um Profit
Wie damals auch der Nitribit.
Die Aktionäre woll´n viel Geld
Mit wenig Rücksicht auf die Welt.
Und wenn er hierbei je versagt,
Man ihn aus Amt und Würden jagt.
Selbst wenn er schamlos abgefunden
Bereiten ihm solch´ Horrorstunden
Wochenlange Magenschmerzen
Und damit sollte keiner scherzen.
Da geht´s doch um der Firma Ehre
Auch dass sich sein Verdienst noch mehre,
Wie soll er da noch christlich sein?
Das sieht er in der Tat nicht ein
Und entscheidet, ganz gelassen,
zehntausend Menschen zu entlassen.
Veröffentlichungen:
Kunst kommt nicht von Können. Zirndorf, Verlag für moderne Kunst, 1976. 2. Aufl. 1977, Edition für Moderne Kunst im Belser Verlag.
Mariposa: Zauber eines Gartens. Wasmuth-Verlag, Tübingen, 2007. ISBN 978-3-8030-3323-9
# Die Geschichte einer Idee: Mariposa. Unvollständiger Tatsachenbericht. Stuttgart: parsprototo, 2007. ISBN 978-3-938023-33-4 [Mehr...]
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